Neuerscheinung Mai 2018

Historische Wasserwirtschaft der Echaz in Pfullingen

Autoren: Waltraud Pustal u. a.

Preis: 10,00 €, erhältlich im örtlichen Buchhandel, im Stadtgeschichtlichen Museum und beim Geschichtsverein Pfullingen (www.geschichtsverein-pfullingen.de)

Der Ausgangspunkt für dieses Buchprojekt ist die historische Nutzung der Wässerwiesen in der Pfullinger Echazaue. Dieses Thema nimmt daher eine zentrale Stellung ein. Diese Nutzungsart der weitläufigen fruchtbaren Wiesengründe in der Talsohle der Echaz sowohl im Süden bis zur Gemarkungsgrenze Unterhausen wie auch im Norden in Richtung Reutlingen bis zum Arbach endete circa 1965. Die Gesellschaft und die Arbeitsbedingungen hatten sich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs grundlegend geändert. Die Landwirtschaft war nicht mehr essentiell da-rauf angewiesen. Das Ende war schleichend und unspektakulär und ein so selbstverständlicher Teil des Fortschritts, dass kaum jemand auf die Idee kam, die letzten Zeugnisse dieser einst über viele Jahrhunderte andauernden und daher alltäglichen, über ein ausgeklügeltes Grabensystem neben dem Hauptarm der Echaz funktionierenden und für die Landwirtschaft unverzichtbaren Art der Wiesennutzung in unserer Stadt zu dokumentieren. Die mit Bewässerungsgräben durchzogene Streuobstwiesenlandschaft im Norden des Stadtgebiets wurde 1966 als neues Gewerbegebiet „Steinge“ erschlossen. Ganz im Gegensatz dazu wurde die Echazaue im Süden des Stadtgebiets als Ergebnis jahrzehntelanger Aktivitäten des örtlichen NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.)im Jahr 2005 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Die Echaz ist die historische Lebensader der Stadt. Die Siedlungsgeschichte begann in der Jungsteinzeit vor ca. 5.000 Jahren. In den Zeitraum 400 v. Chr. bis 100 n. Chr. lassen sich keltische Ausgrabungsfunde im Kalktuff am südlichen Stadtrand datieren. Um 450 n. Chr. ließen sich Alemannen um ihren Fürsten Pfuhlo, dem Namensgeber Pfullingens, an der Echaz nieder. Die erste historische Erwähnung Pfullingens basiert auf einer Urkunde durch Kaiser Otto I. im Jahre 937. Der Anlass war die Schenkung des Fischereirechtes entlang der Echaz durch Kaiser Otto I. an den Priester Hartbert.

Ab Beginn des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung Pfullingens entlang der Echaz. Die einstigen mittelalterlichen Mühlen und Triebwerke waren die Keimzelle für späteren Wohlstand und Arbeitsplätze. Daneben spielten und spielen weitere Versorgungs- und Schutzfunktionen wichtige Rollen: Trinkwasserversorgung, Abwasser, Hochwasserschutz, Naturschutz und Erholung. Die Echaz verfügt zudem über eine phänomenale Eigenschaft: Sie stellt aus Wasser Stein und Sand her: Kalktuffstein und Kalktuffsand, qualitative Baumaterialen.

Pfullingen ist seit seiner Gründung Mitglied des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und war auch an der Entstehung dieses großräumigen Schutzgebiets von Beginn an beteiligt. Ein Projektziel des Biosphärengebiets ist „die Bewahrung des historisch-kulturellen Erbes“. Dieses Ziel deckt sich mit den Aufgaben des Geschichtsvereins Pfullingen, „das Geschichtsbewusstsein in der Bevölkerung zu erhalten und zu fördern“.

Am 31. Januar 2008 trat die Verordnung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum über das Biosphärengebiet Schwäbische Alb in Kraft. Seit dem 26. Mai 2009 ist das Biosphärengebiet Schwäbische Alb auch als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt und wird somit als Zeugnis beeindruckender Artenvielfalt und eines unverwechselbaren Lebensraums für den Menschen in Einklang mit der Natur anerkannt. Diese hohe Bewertung hebt das Biosphärengebiet in die Liga der weltweit bedeutendsten Kulturlandschaften, wie es der zum damaligen Zeitpunkt regierende Ministerpräsident Günther H. Oettinger formulierte.

Diese Publikation führt uns auf eine spannende Wanderung entlang der Echaz mit ihren Verzweigungen durch das Stadtgebiet. Folgt man diesen Pfaden, bieten sich Einblicke in ein vielfältiges Mosaik unterschiedlichster Nutzungen. Moderne und historische Wasserkraftnutzung stehen nebeneinander. Einzigartige geologische Formationen, unterschiedlichste Lebens- und Erlebnisräume laden jedermann ein, sich auf Spurensuche zu begeben oder zu verweilen und zu genießen. Der Weg lohnt sich, für Spaziergänger, Radfahrer, Schulklassen.

Flyer zum Buch (pdf)

Buchvorstellung im Online-Magazin "Sphäre Alb entdecken"